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Die befreiende Rolle des Candomblé: das Erbe afrikanischer Sklaven

Route des abolitions de l’esclavage Der Candomblé ist den Glaube, die mit den afrikanischen Sklaven nach Brasilien kam.

Im Auftrag der ersten Plantagenbesitzer durchstreiften ganze Horden von Sklavenjägern die Küstenstriche der Neuen Welt, um den neuen Herren des Zuckerrohrs die dringend benötigten Arbeitskräfte zuzuführen. Weil aber die meisten Indios die Zwangsarbeit nicht lange überlebten, entstand bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ein transatlantischer Sklavenhandel.

Die aus dem fernen Afrika importierten Sklaven erwiesen sich nicht nur gegen die von Kolonisatoren eingeschleppten Krankheiten als resistenter, sondern auch gegen die psycho-physischen Folgen der Zwangsarbeit: Apathie, Alkoholismus, Suizid.

Federação Internacional Afro-brasileira So kamen denn mit den Kolonisatoren die Bantus aus dem südlichen Afrika, die Gegé aus Benin, Fanti und Ashanti von der Goldküste, Yorubas aus Nigeria und auch Schwarze von islamischen Ethnien. Und mit ihnen kamen ihre Gottheiten, die «Heiligen» der afrikanischen Naturreligionen ­ so auch die Orixás: Gottheiten des Candomblé, der heute lebendigsten und verbreitetsten religiösen Gemeinschaft afrikanischen Ursprungs in Brasilien, die ausserhalb von Bahia auch als Macumba, Xangô oder Batuque bekannt ist. Mit der Ankunft der Orixás erhielt der Name der Allerheiligenbucht von Salvador einen neuen, bis heute gültigen Sinn.

Zwar gerieten viele der afrikanischen Gottheiten im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Aber etliche sind an der Allerheiligenbucht heimisch geworden, wenn auch unter Zuhilfenahme einer List: Sie schlüpften in die Gestalten und die Namen von katholischen Heiligen.

Dass sie darin bis heute lebendig geblieben sind, beweisen die tanzenden Leiber ihrer Schutzbefohlenen, durch welche die Orixás Zeugnis von ihrer ungebrochenen Macht ablegen. Das trifft vielleicht in besonderem Masse für Iemanjá zu, die Mutter aller Orixás, Göttin des Meeres und der Fruchtbarkeit, in deren Namen jeden Februar in Salvador ein grosses Volksfest stattfindet.

Lic. phil. I Urs Strässle, Universität Zürich.

Federação Internacional Afro-brasileira Bei der Form des Denkens in Brasilien spezifische multikulturelle Eigenheiten gibt, wobei die afrikanische Einflüsse auf die Gesellschaft sehr präsent bleibt:

Wenn Macumba nicht schwarze Magie, sondern soziale Arbeit ist, wenn Favela für Gemeinschaft im Kampf um eine bessere Welt steht, wenn der Karneval der Vermittlung afro-brasilianischer Traditionen dient... dann hat Dona Ivete das Wort.

Nika Jaína Im Zentrum des Dokumentarfilms "Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte" steht das von der Umbanda-Priesterin Dona Ivete geleitete Ausbildungsprojekt Nika Jaína - ein AfroFriseurinnenkurs für marginalisierte Mädchen in einem Armenviertel von Rio de Janeiro.

In intimen Interviews entführt uns Dona Ivete in ihre Welt - in ein in sich geschlossenes, zusammenhängendes, afrobrasilianisches Universum. Mit Hilfe der Orixás und Caboclos, aber vor allem auf ihren Verstand zählend, kämpft Dona Ivete, wie viele andere BewohnerInnen ihres Viertels auch, für eine bessere Zukunft am Morro do Salgueiro, einer der 750 Favelas von Rio de Janeiro.

Das Österreichische Lateinamerika-Institut. Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte.

Zuzu Angel

Zuzu Angel Unten sehen Sie die ersten Augenblicke des Films Zuzu Angel.

Ich halte den Film Zuzu Angel für wichtig. Schon allein aus historischen Gründen:

Während der Militärdiktatur blühte die brasilianische Wirtschaft. Da ein großer Teil der Mittel- und Oberschicht davon profitierte, unterstützten sie das Regime. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Zuzu Angel, einer Modeschöpferin aus Rio, deren Geschäfte expandierten, so dass sie sogar den Sprung nach New York schaffte. Während sie das Regime ideologisch unterstützt, geht ihr einziger Sohn in den Widerstand, wird gefasst und zu Tode gefoltert. Die Mutter versucht nun, den Körper des Sohnes für ein Begräbnis ausgeliefert zu bekommen und wird den Militärs mit ihren Fragen immer unangenehmer. Regie: Sérgio Rezende; Drehbuch: Marcos Bernstein und Sérgio Rezende; Kamera: Pedro Farkas; Darsteller: Patrícia Pillar, Daniel de Oliveira, Luana Piovani, Othon Bastos

Programmheft - CINEBRASIL

Memória do Movimento Estudantil / Arquivo Nacional / Correio da Manhã

Natürlich soll ich den Film in den historischen Kontext einordnen:

Einige Tage nach der Machtübernahme rollte bereits eine Welle der Gewalt durch das Land: cirka 50 000 Oppositionelle bzw. Verdächtige, unter ihnen Gewerkschaftsführer, oppositionelle Politiker, Führer katholischer und kommunistischer Organisationen, studentischer Gruppen wurden bis 1979 interniert, 300 fanden den Tod; zahlreiche gingen ins Exil. Über 9000 Staatsbedienstete und Offiziere wurden entlassen, hochrangige Politiker ihrer politischen Rechte beraubt. Oscar Niemeyer, bis heute erklärter Kommunist, ging ebenfalls seiner politischen Rechte verlustig. Terror und Gewalt waren ein zentraler Bestandteil der Regime bis 1985 und erlebten ihre Höhepunkte zwischen 1969 und 1973. Namenslisten von Verschwundenen veröffentlichte die Erzdiözese von São Paulo in ihrer Bestandsaufnahme der Menschenrechtsverletzungen ab 1964 in der Publikation "Brasilien: Niemals wieder" ("Brasil: nunca mais"). Mehr als die Hälfte der Ermordeten waren StudentInnen oder Schüler der (zum überwiegenden Teil weißen) Mittelschicht. Nach den ersten Phasen der Gewalt und ökonomischen Fehlschlägen polarisierten die Militärs mit der Einführung des Zweiten Institutionellen Aktes (AI-2) vom Oktober 1965 die politische Landschaft. Sie schufen ein Zweiparteienwesen "von oben", um Einflüsse familiärer lokaler Interessen auf die politischen Parteien auszuschließen. Dem Lager der bedingungslosen Unterstützer des Regimes (die Regierungspartei), die durch Ämter und Gelder belohnt wurden, stand das oppositionelle demokratische Lager (Movimento Democrático Nacional, MDP) gegenüber. Der Zweite Institutionelle Akt AI-2 ermöglichte die völlige Einschränkung persönlicher Freiheit und die Ausrufung des Belagerungszustandes ohne Zustimmung des Kongresses.

Memória do Movimento Estudantil, Arquivo Nacional, Correio da Manhã

Die Regierungspartei der Aliança Renovadora Nacional (Arena), die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Parteien União Nacional Democrática und Partido Social Democrático zusammensetzte, bildete die Machtzentrale. Die Präsidenten gingen jeweils aus einem kleinen Kreis der militärischen Elite hervor, da die Direktwahl des Präsidenten mit dem Ersten Institutionellen Akt vom 9. April 1964 außer Kraft gesetzt worden war. In den Jahren 1968 bis 1973 erlebte Brasilien die härteste Phase der Diktatur mit weiteren Säuberungswellen. Der im Dezember 1968 beschlossene unbefristete Fünfte Institutionelle Akt (AI-5) ermöglichte dem Präsidenten Costa e Silva die bislang größte Machtkonzentration, indem er über Teile der Legislative verfügte. Er konnte Richter absetzen, die politischen Rechte jedes Staatsbürgers für die Dauer von zehn Jahren aussetzen und Disziplinarverfahren anhängen. Die Verfassung wurde aufgehoben; künstlerische, kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten waren mit dem AI-5 massiv eingeschränkt (vgl. Caldeira 1999).

Brasilien 1889 - 1985. Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur. Dr. Ursula Prutsch. Institut für Geschichte der Universität Wien. Die Militärdiktatur 1964-1985.

Gewalt, Terror, Verlust von Bürgerrechten

So etwas darf sich nie wiederholen. Es ist wichtig und notwendig, daran zu erinnern.

Mein Herz schlägt in Indien

Raj (Rodrigo Lombardi), Copyright Globo Der brasilianische Fernsehkonzern Globo produziert derzeit die Telenovela Caminho das Índias von Glória Perez mit Rodrigo Lombardi, Juliana Paes, Tony Ramos, Eliane Giardini, Nívea Maria, Vera Fischer, Caio Blatt, Ísis Valverde, Cristiane Torlone, Humberto Martins, Bruno Gagliasso, Lima Duarte, Sílvia Buarque, Rosane Goffman, Caco Ciocler, André Gonçalves, Alexandre Borges, Eva Todor, Duda Nagle, Vitor Fasano, Stênio Garcia, Osmar Prado, Déborah Bloch, Antônio Calloni, Laura Cardoso, Ana Furtado, Vitória Frate, Brenda Haddad, Márcio Garcia, Totia Meirelles, Cissa Guimarães, Mussunzinho, Marjorie Estiano, Letícia Sabatella, Tânia Khalil, Juliana Alves und Elias Gleizer, u. a.

Ramiro (Humberto Martins, Copyright Globo) Vom Indien aus geht es nach Brasilien und Vereinigte Arabische Emirate.

Hoher technologischer Einsatz, qualifizierte Leute, filmästhetische Innovationen mit einer relativ agilen Kinotechnik und intensive Zuschauerforschung verhalfen Globo überdies, die Konkurrenten mit den eigenen Telenovelas zu überholen. Der Fernsehkonzern konnte qualifiziertes Personal gewinnen, weil die Kulturschaffenden unter der Militärregierung wenig und schlechte Arbeitsmöglichkeiten hatten und engagierte, kritische Kulturarbeit verboten war. Deshalb gingen die arbeitslosen Künstler zum Privatfernsehen und versuchten dort, ihr politisches Engagement auf subtile Art und Weise in den Geschichten einzubringen. Gerade die subtilen Anspielungen bescherten den Telenovelas einen besonderen Reiz, weshalb sie später sogar mit Vorsatz in die Geschichten eingebracht wurden.

Quelle: Telenovelas in Brasilien

Architekturaustausch: Brasilien – Österreich – Schweiz – Slowenien

Die Architekturaustellungen Oscar Niemeyer und Joze Plecnik konnten sicherlich die freundschaftlichen und historischen Beziehungen zwischen Brasilien und Länder wie Österreich, Slowenien und die Schweiz verstärken.

Ausstellung "Joze Plecnik: Architekt"

Die Wanderausstellung über das Leben und die Werke des berühmten österreichisch-slowenischen Architekten Joze Plecnik (1872-1957) befindet sich derzeit in Brasilien.

Plecnik war einer der besten Schüler Otto Wagners und arbeitete in Wien, Belgrad, Prag und Laibach. Der Ausstellungskurator ist Prof. Damjan Prelovsek vom slowenischen Kulturministerium.

Die Initiative für die Ausstellung geht von der Botschaft der Tschechischen Republik aus, die dieses Projekt zusammen mit den Botschaften von Österreich und Kroatien und dem Slowenischen Konsulat in Belo Horizonte unterstützt. Vom 13. Februar bis 13. März 2008 ist die Ausstellung in Belo Horizonte, im Regionalen Rat für Ingenieurwesen, Architektur und Landwirtschaft von Minas Gerais (CREAG-MG) zur Besichtigung geöffnet. Anschließend wird die Ausstellung auch in anderen brasilianischen Städten gezeigt werden.

Quelle: Aussenministerium Österreich

Der Architekt Jo¸e Plecnik

PLECNIK. Arhitekt Joze Plecnik 1872-1957. Ljubljana, 1986Im slowenischen Kulturerbe genießt Architektur einen besonderen Stellenwert. Der berühmteste slowenische Architekt Jo¸e Plecnik war ein Pionier der modernen slowenischen und europäischen Architektur. In den letzten 10 Jahren war das Interesse an Plecnik außerordentlich groß und sein Werk hat bewiesen, dass Plecnik als Schüler des berühmten Otto Wagner ein großer Kosmopolit war. Sowohl in Slowenien als auch im Ausland gibt es eine Reihe seiner Werke zu bewundern. Darunter sind unter anderem die Renovierung der Prager Burg (Hradschin) und einige wichtige Gebäude in Wien.

Auch Ljubljana ist erkenntlich durch Plecniks Architektur geprägt. Wenn man einen Spaziergang durch das Stadtzentrum macht, kann man die National- und Universitätsbibliothek, die "Dreibrücken" sowie einen der schönsten Marktplätze in Europa nicht verfehlen. Das alles und noch viel mehr hat der Stadt ein Siegel von Plečnik verliehen. Zahlreiche seine Schüler setzten in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts Plecniks Stil in ihrer Arbeit fort.

Quelle: Botschaft der Republik Slowenien in Berlin

Eine Hommage an Oscar Niemeyer

Oscar Niemeyer. Copyright Fundação Oscar Niemeyer Der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer gehört zu den Klassikern unter den Architekten des 20. Jahrhunderts. Die Möglichkeiten des Betons ausnutzend, hat Niemeyer eine grandios plastische Formensprache entwickelt, die durch raumgreifende, organische Konturen und Volumina besticht. Weltruhm erlangte er durch seine Werke für die neue Hauptstadt Brasília. Oscar Niemeyer entwirft noch heute, im Alter von 100 Jahren. Zu seinem hundertsten Geburtstag erbietet ihm die ETH Zürich eine Hommage.

Der «internationale Stil», vom Bauhaus in Deutschland begonnen, hat in Brasilien eine Entwicklung erfahren, die einmalig ist. Bis heute hat sich unter dem Einfluss eines tropischen Klimas eine Architektur der Offenheit und Freiheit entfaltet, die eine neue Raum- und Formensprache ermöglichte. Oscar Niemeyer (*1907) hat sich als einer der wenigen Architekten der Moderne vom Dogma des orthogonalen Rasters befreit. Seine Architektur ist heute – in einer Zeit, in der Architekten zunehmend mit amorphen Formen und Strukturen experimentieren – moderner denn je.

Erste Erfahrungen sammelte Oscar Niemeyer beim Bau des Erziehungs- und Gesundheitsministeriums (1936-1943), welches von einer brasilianischen Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Le Corbusier konzipiert wurde. Der «internationale Stil» hatte sich durch Rückkehrer aus Europa bereits einen Namen gemacht. Durch die politische Unterstützung entfaltete er sich schnell zu einem eigenen Ausdruck brasilianischer Architektur.

Oscar Niemeyer trug entscheidend zur Entwicklung eines selbstbewussten eigenständigen modernen Baustils bei. Er setzte diesen zusammen mit seinem Mentor Lúcio Costa wirkungsvoll beim Brasilianischen Pavillon bei der Weltausstellung in New York (1939) um. Juscelino Kubitschek, der Gouverneur von Belo Horizonte, bot 1942 Niemeyer die Gelegenheit zum Bau eines neuen Stadtteils im «modernen Stil» in Pampulha. Kubitschek, in der Zwischenzeit zum Präsidenten Brasiliens gewählt (1955), zog Niemeyer auch beim Wettbewerb für die neue Hauptstadt Brasiliens bei, einer Idealstadt für 200'000 Menschen.

Niemeyer wurde 1956 in die Planergruppe um den bereits erwähnten Stadtplaner Lúcio Costa aufgenommen. Bis 1960 entstanden die monumentalen, wegen ihrer Offenheit und besonderen Symbolkraft viel gerühmten Repräsentationsbauten rund um den Platz der drei Gewalten – darunter der Nationalkongress, der Präsidentenpalast und der Oberste Gerichtshof. Sein Engagement in der kommunistischen Partei führte zu Schwierigkeiten nach dem Militärputsch (1964) in Brasilien. Aus Protest gegen die Universitätspolitik der Militärführung trat er mit 200 anderen Professoren von der Universität Brasília zurück. Niemeyer öffnete 1967 ein Büro in Paris und legte erst 1985 seinen Wohnort wieder nach Brasilien zurück.

Niemeyer arbeitet noch heute an seiner Architektursprache und sein Oeuvre umfasst mehr als 500 Bauwerke und Projekte vor allem in seiner Heimat Brasilien, aber auch in Portugal, Frankreich, Italien, Deutschland, Algerien, Lybien, Israel, Saudi-Arabien und in den USA. Der 100. Geburtstag Oscar Niemeyers bietet die Gelegenheit, sein bisheriges Schaffen in einer Hommage zu ehren. Kern der Ausstellung sind aktuelle Aufnahmen der ausgeführten Bauten Niemeyers vom Fotografen Leonardo Finotti (Lissabon) sowie Porträtaufnahmen von Evandro Teixeira (Rio de Janeiro). Filme und Interviews zeigen Oscar Niemeyer als Architekt und Persönlichkeit.

Während der Dauer der Ausstellung ist folgende Publikation am Institut gta erhältlich (Bestellen unter: ausstellungen@gta.arch.ethz.ch Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots gesch&uumltzt, Sie m&uumlssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen k&oumlnnen ): «Oscar Niemeyer. Eine Legende der Moderne / A Legend of Modernism.» Hg. von Paul Andreas und Ingeborg Flagge. Mit Beiträgen von Paul Andreas, Max Bill, Lauro Cavalcanti, Elmar Kossel, Carsten Krohn, Niklas Maak, Oscar Niemeyer und José Carlos Süssekind. Frankfurt a. M./Basel Boston Berlin 2003. 22 x 28 cm, 143 Seiten, Softcover. Deutsch/Englisch. ISBN 978-3-7643-6992-7, CHF 45.-/Euro 29.50

Quelle: ETH Zürich

Afrika-Tag in Brasilien

Nach der Zersplitterung des Kontinents Afrikas sollte die Idee der afrikanischen Einheit den Geist des Panafrikanismus entfachen.

Im Jahr 1963 wurde die Organisation für die Afrikanische Einheit – OAU – gegründet. Später, im Jahr 2002. wurde sie in die Afrikanische Union – AU – umgewandelt.

AU Am 25. Mai 2008, der Afrika-Tag erinnerte an die heutige Afrikanische Union. In Brasilien konnten wir an diesem Tag die lebendige Kultur und Gesellschaft Afrikas zelebrieren.

Im Jahr 2006, das brasilianische Statistik-Institut IBGE belegte, dass 42,8% von 39,8 Millionen Menschen aus Metropolen wie São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Salvador, Recife und Porto Alegre, die 10 Jahre oder älter sind, sich als Schwarze oder Braune definieren.

Leider sind die Afrobrasilianer gegenüber ihren hellhäutigen Landsleuten vielfach benachteiligt. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens können die Nachfahren der afrikanischen Sklaven ihre Rechte nicht immer wahrnehmen.

Und tatsächlich: die weisse brasilianische Menschen gehen mehr zur Schule als die Brasilianer, die sich als Schwarze definieren, und viele dunkelhäutigen Brasilianer sind funktionale Analphabeten, die kaum Chancen auf gute Bildung haben.

In Brasilien, die Wurzeln der Ungleichheit liegen in der Sklavenzeit, in welcher die afrikanischen Sklaven aus Angola, Nigeria, Benin, São Tomé und Príncipe und Togo, unter anderem, Ware im Besitz der europäischen und europäischstämmigen Bevölkerung waren.

Im Kampf um Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung in Brasilien engagiert sich auf kultureller Ebene der Sänger Martinho da Vila, welcher den Preis Afrika-Brasilien bekommen hat.

Brasilien ist, laut Webseite des Africa Festivals in Würzburg:

ein Land (...) das für seine Musik und seine Lebensfreude in aller Welt bekannt ist (...). Wer kennt sie nicht, die bunten Sambagruppen, die alljährlich auch über unsere Fernsehschirme flimmern.

Doch neben musikalischer Lebensfreude und Karnevalsflair von der Copacabana wollen wir auch daran erinnern, wie diese Musik nach Brasilien kam.

Es waren Millionen afrikanischer Sklaven, die unter grausamen Umständen nach Brasilien transportiert wurden und ihre Rhythmen und Melodien mitbrachten.

Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir heute den Stars der brasilianischen Musik zujubeln.

Also nicht nur am 25. Mai ist der Dialog mit Afrika zu suchen und zu führen. Wir wünschen uns, dass wir alle zusammen eine harmonische und gleichberechtigte Welt nach und nach aufbauen können.

Die Guarani-Ruinen von São Miguel das Missões in Rio Grande do Sul, in Brasilien

Brasilien

Die Mischung aus verschiedenen ethnischen Kulturen bereichert die eigene Kultur und die Gesellschaft Brasiliens mit unzähligen Traditionen und Gewohnheiten.

Unsere aktuelle Identität ist so komplex wie die Koexistenz und Interaktion dieser unterschiedlichen europäischen, afrikanischen und indianischen Einflüssen, unter anderem.

Rio Grande do Sul und die Guarani-Indianer

Das Bundesland Rio Grande do Sul ist der südlichste Bundesstaat in Brasilien.

Die Metropole Porto Alegre ist die Hauptstadt von Rio Grande do Sul.

Mehrere Jesuiten sind aus Europa nach Brasilien in die stehenden Missionen entsandt worden.

Die Jesuiten gründeten in Brasilien, sowie in Uruguay, Argentinien und Paraguay zusammen mit den Guarani-Indianern die Jesuitenreduktionen.

In 1768 wurden die Jesuiten aus Brasilien verbannt und zerfielen die Reduktionen.

Seit dem Jahre 1983 gelten die südbrasilianische Guarani-Ruinen von São Miguel das Missões als Weltkulturerbe der UNESCO.

In Argentinien sind die Ruinen von San Ignacio Mini, Nuestra Señora de Loreto und Santa Maria Mayor zum Welterbe der UNESCO erklärt worden.

Die Indianer in Brasilien

Laut Webseite der Brasilianischen Botschaft Berlin:

Schutz der indigenen Bevölkerung Brasiliens

Die Ureinwohner wurden von den Europäern, die an den Küsten Amerikas anlandeten, “Indios” genannt. Diese Benennung beruhte auf dem anfänglichen Irrtum, man habe die indische Küste erreicht.

Die Europäer behielten diese Bezeichnung bei, auch nachdem sie herausgefunden hatten, daß sie nicht in Asien, sondern auf einem neuen, bislang unbekannten Kontinent gelandet waren.

Heute leben in Brasilien etwa 410.000 Indios in 215 Stammesgemeinschaften. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt etwa 0,2 Prozent. Diese Statistik berücksichtigt jedoch nicht nur Indios, die in Dorfgemeinschaften leben.

Schätzungsweise 100.000 bis 190.000 Indios haben sich außerhalb der Indianergebiete und auch in den Städten angesiedelt. Es gibt Hinweise auf die Existenz von etwa 53 Gruppen, die bislang keinen Kontakt mit der Außenwelt hatten.

Weitere Gruppen bemühen sich darum, von der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI (Fundação Nacional do Indio) als indigene Gemeinschaften anerkannt zu werden.

Erst in jüngster Zeit ist sich die brasilianische Gesellschaft bewußt geworden, daß die Indios nicht außerhalb der Geschichte stehen, sondern Zeitgenossen sind.

Sie leben in unserem Land, wirken am Gesetzgebungsprozeß mit, wählen politische Vertreter und sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie die restliche Bevölkerung, so mit den Auswirkungen der Umweltverschmutzung.

Sie unterliegen auch in gleicher Weise den Gesetzen sowie den Maßnahmen der Regierung in Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Erziehung und öffentlicher Verwaltung. Es gibt heute in Brasilien ein wachsendes Interesse an aktuellen und verläßlichen Informationen über die indigenen Völker.

Die FUNAI ist ein brasilianisches Regierungsorgan, das nach den Vorgaben der Verfassung von 1988 die Richtlinien der Politik für die Urbevölkerung definiert und umsetzt. Die FUNAI ist für die Förderung der Elementarbildung der indigenen Völker zuständig.

Sie demarkiert, sichert und schützt ihre traditionellen Siedlungsgebiete, sie fördert wissenschaftliche Arbeiten und statistische Erhebungen über diese Bevölkerungsgruppe.

Sie hat darüber hinaus die Aufgabe, die indigenen Gemeinschaften zu schützen, in der Gesellschaft das Interesse an den Indios und ihren Anliegen zu wecken, ihren Besitz zu verwalten und ihre Gebiete zu überwachen.

Damit soll das Vordringen von Gold- und Diamantenschürfern, Landbesetzern und Holzfällern und alle anderen gesetzwidrigen Aktivitäten innerhalb der Indianergebiete unterbunden werden, von denen eine Gefahr für Leib, Leben und Kultur der indigenen Völker ausgeht.

Neben ihrem Hauptsitz in Brasília verfügt die FUNAI über 45 Regionalverwaltungen, 14 Zentren zur Unterstützung der indigenen Bevölkerung, ein Museum (”Museu do Ìndio”) und 344 Posten für die Urbevölkerung, die über das Land verteilt sind.

Am Hauptsitz in Brasilia befinden sich Präsidium, Vertreter der Bundesanwaltsschaft, Anhörungsausschuß, drei Direktionen, vier Allgemeine Koordinationsstellen sowie dreizehn Abteilungen.

Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva strebt an, noch während der laufenden Amtszeit die Demarkierung der brasilianischen Indianergebiete abzuschließen. Diese Aufgabe wird von der FUNAI mit Unterstützung anderer Regierungsstellen durchgeführt.

Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die Indianerreservate mindestens 12 Prozent der brasilianischen Landfläche ausmachen. Den indigenen Völkern würden mehr als eine Millionen Quadratkilometer zur Verfügung gestellt, das entspricht dem Dreifachen der Fläche der Bundesrepublik Deutschland.

Die Demarkation von indigenen Gebieten ist ein komplexer und kostspieliger Prozeß, bei dem häufig große, nicht-indigene Bevölkerungsgruppen aus großräumigen Gebieten umgesiedelt werden müssen.

Von diesen Umsiedlungen sind zumeist ärmere Menschen betroffen In diesem Zusammenhang sei nochmals darauf hingewiesen, daß Brasilien wie die Bundesrepublik Deutschland ein föderativer und demokratischer Staat ist, der auf dem Prinzip der Gewaltenteilung beruht.

Die brasilianische Regierung ist daher verpflichtet, beim Demarkationsprozeß neben den Interessen der indigenen Bevölkerung die von der Judikative und der Legislative auferlegten Beschränkungen zu beachten sowie den Interessen der Bundesstaaten, Munizipien (Städten und Gemeinden) und anderer betroffener Bevölkerungsgruppen Rechnung zu tragen.

Quellen: FUNAI, Auszüge aus den Texten “quem somos” (”Über uns”), “Índios do Brasil” (”Indios Brasiliens”) sowie aus einem Interview des Präsidenten der FUNAI mit der Rede Brasil Sul

Quelle: Brasilianische Botschaft Berlin

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