Die befreiende Rolle des Candomblé: das Erbe afrikanischer Sklaven
Von Biarnesa, Dienstag, 1. September 2009 um 19:26 :: Brasilien
Der Candomblé ist den Glaube, die mit den afrikanischen Sklaven nach Brasilien kam.
Im Auftrag der ersten Plantagenbesitzer durchstreiften ganze Horden von Sklavenjägern die Küstenstriche der Neuen Welt, um den neuen Herren des Zuckerrohrs die dringend benötigten Arbeitskräfte zuzuführen. Weil aber die meisten Indios die Zwangsarbeit nicht lange überlebten, entstand bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ein transatlantischer Sklavenhandel.
Die aus dem fernen Afrika importierten Sklaven erwiesen sich nicht nur gegen die von Kolonisatoren eingeschleppten Krankheiten als resistenter, sondern auch gegen die psycho-physischen Folgen der Zwangsarbeit: Apathie, Alkoholismus, Suizid.
So kamen denn mit den Kolonisatoren die Bantus aus dem südlichen Afrika, die Gegé aus Benin, Fanti und Ashanti von der Goldküste, Yorubas aus Nigeria und auch Schwarze von islamischen Ethnien. Und mit ihnen kamen ihre Gottheiten, die «Heiligen» der afrikanischen Naturreligionen so auch die Orixás: Gottheiten des Candomblé, der heute lebendigsten und verbreitetsten religiösen Gemeinschaft afrikanischen Ursprungs in Brasilien, die ausserhalb von Bahia auch als Macumba, Xangô oder Batuque bekannt ist. Mit der Ankunft der Orixás erhielt der Name der Allerheiligenbucht von Salvador einen neuen, bis heute gültigen Sinn.
Zwar gerieten viele der afrikanischen Gottheiten im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Aber etliche sind an der Allerheiligenbucht heimisch geworden, wenn auch unter Zuhilfenahme einer List: Sie schlüpften in die Gestalten und die Namen von katholischen Heiligen.
Dass sie darin bis heute lebendig geblieben sind, beweisen die tanzenden Leiber ihrer Schutzbefohlenen, durch welche die Orixás Zeugnis von ihrer ungebrochenen Macht ablegen. Das trifft vielleicht in besonderem Masse für Iemanjá zu, die Mutter aller Orixás, Göttin des Meeres und der Fruchtbarkeit, in deren Namen jeden Februar in Salvador ein grosses Volksfest stattfindet.
Lic. phil. I Urs Strässle, Universität Zürich.
Bei der Form des Denkens in Brasilien spezifische multikulturelle Eigenheiten gibt, wobei die afrikanische Einflüsse auf die Gesellschaft sehr präsent bleibt:
Wenn Macumba nicht schwarze Magie, sondern soziale Arbeit ist, wenn Favela für Gemeinschaft im Kampf um eine bessere Welt steht, wenn der Karneval der Vermittlung afro-brasilianischer Traditionen dient... dann hat Dona Ivete das Wort.
Im Zentrum des Dokumentarfilms "Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte" steht das von der Umbanda-Priesterin Dona Ivete geleitete Ausbildungsprojekt Nika Jaína - ein AfroFriseurinnenkurs für marginalisierte Mädchen in einem Armenviertel von Rio de Janeiro.
In intimen Interviews entführt uns Dona Ivete in ihre Welt - in ein in sich geschlossenes, zusammenhängendes, afrobrasilianisches Universum. Mit Hilfe der Orixás und Caboclos, aber vor allem auf ihren Verstand zählend, kämpft Dona Ivete, wie viele andere BewohnerInnen ihres Viertels auch, für eine bessere Zukunft am Morro do Salgueiro, einer der 750 Favelas von Rio de Janeiro.
Das Österreichische Lateinamerika-Institut. Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte.







