Die Guarani-Ruinen von São Miguel das Missões in Rio Grande do Sul, in Brasilien
Von Alice Marc, Donnerstag, 22. Mai 2008 um 10:13 :: Brasilien :: #15 :: rss
Brasilien
Die Mischung aus verschiedenen ethnischen Kulturen bereichert die eigene Kultur und die Gesellschaft Brasiliens mit unzähligen Traditionen und Gewohnheiten.
Unsere aktuelle Identität ist so komplex wie die Koexistenz und Interaktion dieser unterschiedlichen europäischen, afrikanischen und indianischen Einflüssen, unter anderem.
Rio Grande do Sul und die Guarani-Indianer
Das Bundesland Rio Grande do Sul ist der südlichste Bundesstaat in Brasilien.
Die Metropole Porto Alegre ist die Hauptstadt von Rio Grande do Sul.
Mehrere Jesuiten sind aus Europa nach Brasilien in die stehenden Missionen entsandt worden.
Die Jesuiten gründeten in Brasilien, sowie in Uruguay, Argentinien und Paraguay zusammen mit den Guarani-Indianern die Jesuitenreduktionen.
In 1768 wurden die Jesuiten aus Brasilien verbannt und zerfielen die Reduktionen.
Seit dem Jahre 1983 gelten die südbrasilianische Guarani-Ruinen von São Miguel das Missões als Weltkulturerbe der UNESCO.
In Argentinien sind die Ruinen von San Ignacio Mini, Nuestra Señora de Loreto und Santa Maria Mayor zum Welterbe der UNESCO erklärt worden.
Die Indianer in Brasilien
Laut Webseite der Brasilianischen Botschaft Berlin:
Schutz der indigenen Bevölkerung Brasiliens
Die Ureinwohner wurden von den Europäern, die an den Küsten Amerikas anlandeten, “Indios” genannt. Diese Benennung beruhte auf dem anfänglichen Irrtum, man habe die indische Küste erreicht.
Die Europäer behielten diese Bezeichnung bei, auch nachdem sie herausgefunden hatten, daß sie nicht in Asien, sondern auf einem neuen, bislang unbekannten Kontinent gelandet waren.
Heute leben in Brasilien etwa 410.000 Indios in 215 Stammesgemeinschaften. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt etwa 0,2 Prozent. Diese Statistik berücksichtigt jedoch nicht nur Indios, die in Dorfgemeinschaften leben.
Schätzungsweise 100.000 bis 190.000 Indios haben sich außerhalb der Indianergebiete und auch in den Städten angesiedelt. Es gibt Hinweise auf die Existenz von etwa 53 Gruppen, die bislang keinen Kontakt mit der Außenwelt hatten.
Weitere Gruppen bemühen sich darum, von der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI (Fundação Nacional do Indio) als indigene Gemeinschaften anerkannt zu werden.
Erst in jüngster Zeit ist sich die brasilianische Gesellschaft bewußt geworden, daß die Indios nicht außerhalb der Geschichte stehen, sondern Zeitgenossen sind.
Sie leben in unserem Land, wirken am Gesetzgebungsprozeß mit, wählen politische Vertreter und sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie die restliche Bevölkerung, so mit den Auswirkungen der Umweltverschmutzung.
Sie unterliegen auch in gleicher Weise den Gesetzen sowie den Maßnahmen der Regierung in Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Erziehung und öffentlicher Verwaltung. Es gibt heute in Brasilien ein wachsendes Interesse an aktuellen und verläßlichen Informationen über die indigenen Völker.
Die FUNAI ist ein brasilianisches Regierungsorgan, das nach den Vorgaben der Verfassung von 1988 die Richtlinien der Politik für die Urbevölkerung definiert und umsetzt. Die FUNAI ist für die Förderung der Elementarbildung der indigenen Völker zuständig.
Sie demarkiert, sichert und schützt ihre traditionellen Siedlungsgebiete, sie fördert wissenschaftliche Arbeiten und statistische Erhebungen über diese Bevölkerungsgruppe.
Sie hat darüber hinaus die Aufgabe, die indigenen Gemeinschaften zu schützen, in der Gesellschaft das Interesse an den Indios und ihren Anliegen zu wecken, ihren Besitz zu verwalten und ihre Gebiete zu überwachen.
Damit soll das Vordringen von Gold- und Diamantenschürfern, Landbesetzern und Holzfällern und alle anderen gesetzwidrigen Aktivitäten innerhalb der Indianergebiete unterbunden werden, von denen eine Gefahr für Leib, Leben und Kultur der indigenen Völker ausgeht.
Neben ihrem Hauptsitz in Brasília verfügt die FUNAI über 45 Regionalverwaltungen, 14 Zentren zur Unterstützung der indigenen Bevölkerung, ein Museum (”Museu do Ìndio”) und 344 Posten für die Urbevölkerung, die über das Land verteilt sind.
Am Hauptsitz in Brasilia befinden sich Präsidium, Vertreter der Bundesanwaltsschaft, Anhörungsausschuß, drei Direktionen, vier Allgemeine Koordinationsstellen sowie dreizehn Abteilungen.
Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva strebt an, noch während der laufenden Amtszeit die Demarkierung der brasilianischen Indianergebiete abzuschließen. Diese Aufgabe wird von der FUNAI mit Unterstützung anderer Regierungsstellen durchgeführt.
Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die Indianerreservate mindestens 12 Prozent der brasilianischen Landfläche ausmachen. Den indigenen Völkern würden mehr als eine Millionen Quadratkilometer zur Verfügung gestellt, das entspricht dem Dreifachen der Fläche der Bundesrepublik Deutschland.
Die Demarkation von indigenen Gebieten ist ein komplexer und kostspieliger Prozeß, bei dem häufig große, nicht-indigene Bevölkerungsgruppen aus großräumigen Gebieten umgesiedelt werden müssen.
Von diesen Umsiedlungen sind zumeist ärmere Menschen betroffen In diesem Zusammenhang sei nochmals darauf hingewiesen, daß Brasilien wie die Bundesrepublik Deutschland ein föderativer und demokratischer Staat ist, der auf dem Prinzip der Gewaltenteilung beruht.
Die brasilianische Regierung ist daher verpflichtet, beim Demarkationsprozeß neben den Interessen der indigenen Bevölkerung die von der Judikative und der Legislative auferlegten Beschränkungen zu beachten sowie den Interessen der Bundesstaaten, Munizipien (Städten und Gemeinden) und anderer betroffener Bevölkerungsgruppen Rechnung zu tragen.
Quellen: FUNAI, Auszüge aus den Texten “quem somos” (”Über uns”), “Índios do Brasil” (”Indios Brasiliens”) sowie aus einem Interview des Präsidenten der FUNAI mit der Rede Brasil Sul
Quelle: Brasilianische Botschaft Berlin
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